Aus der Geschichte des Wasserschlosses Oberwerries

Rita Kreienfeld

Schloss Oberwerries wird zum ersten Mal im Jahre 1284 als Lehnsgut derer von Limburg-Styrum erwähnt. Die Familie derer von Herbern besitzt das Haus als Lehnsmannen bis 1464, als es an Gert von Beverförde aus der holländischen Provinz Overyssel verkauft wird. Er baut eine Kapelle auf der Vorburg, deren vermauerte Spitzbogenfenster im Torhaus noch zu erkennen sind. Die Glocke der Kapelle ist in dem Renaissancetürmchen immer noch vorhanden und stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist eine der ältesten auf dem Hammer Stadtgebiet.

Richtig tritt das Schloss erst in die Geschichte ein, als 1663 Maria Ida von Plettenberg-Lenhausen einheiratet. Sie bringt nämlich eine Menge Geld mit. Die frischgebackenen Eheleute lassen das Torhaus neu bauen, 1667 ist es fertig, wie die eisernen Maueranker zeigen. Mit 25 Jahren wird Maria Ida schon Witwe, und fängt 1685 sofort an, das Schloss vollkommen neu erbauen zu lassen. Es entsteht ein zweigeschossiges Herrenhaus mit einem niedrigeren Seitenflügel und dem Pavillonturm. Dieses Barockgebäude ist ein Werk des Kapuzinerbruders Ambrosius von Oelde, einem wichtigen westfälischen Baumeister. Der barocke Ziegelbau hat sandsteinumrahmte Fenster, das umlaufende Sandsteingesims schützt die Mauer vor herablaufendem Regen. Die Jahreszahl 1692 aus schwarz gebrannten Ziegelsteinen nennt das Jahr der Vollendung des Baus, der sich breit in die Lippewiesen lagert. Typisch für den Baumeister ist das schwere massive Backsteinmauerwerk, das Mansardendach mit den großen Schornsteinen und der an den südlichen älteren Flügel angebaute Pavillonturm mit dem glockenförmigen Dach und dem großen Kamin. Ein ähnliches Schloss hat Ambrosius von Oelde in Ahaus für den Bischof von Münster Friedrich Christian, einem Bruder der Maria Ida von Beverförde, gebaut.

Über dem Haupteingang befindet sich ein Sandsteinrelief, das die Dreifaltigkeit zeigt, Gott Vater rechts, der Sohn mit dem Kreuz links und in der Mitte der Heilige Geist. Darunter befindet sich das Wappen derer von Beverförde mit dem aufsteigenden Biber, das von zwei Engeln gehalten wird. Die Inschrift darunter lautet: „Maria Ida aus dem Freiherrengeschlecht von Plettenberg aus Lenhausen, im Jahre 1663 mit Herrn Johannes Fridericus von Beverförde aus Werries und Wemeslo vermählt, hat auf dessen geschätzten Rat, nachdem sie im Alter von 25 Jahren Witwe geworden war, im Jahre 1685 begonnen, dieses Haus zu Ehren der heiligsten Dreifaltigkeit und zum Nutzen der Nachkommen von den Grundmauern her aufzubauen und es im Jahre 1692 glücklich vollendet....“

Der lang gestreckte Marstall mit dem kleinen Hundestall am Ende wird von dem berühmten Baumeister Johann Conrad Schlaun erbaut. Heute ist er Sitz des Westfälischen Turnerbundes. Wirklich sehenswert ist die Kappendecke im Marstall, wo zwischen den Eichenbalken kleine Rundbögen aus roten Ziegelsteinen gemauert sind. In diesem Pferdestall waren bis zu 30 reinrassige Pferde untergebracht, die hier gezüchtet und verkauft wurden, desgleichen wurden Jagdhunde gezüchtet.

1733 werden das Portal und der Eingang von Schlaun erneuert. Warum in einem der Gitter die Jahreszahl 1714 steht, weiß niemand. Um diese Zeit herum entsteht auch die Figur des Heiligen Johannes Nepomuk, des Brückenheiligen, der sich früher vor dem Tor befand und hier erst seit der Restaurierung im Jahre 1977 steht. Früher stand auf dem Sandsteinsockel: „Wanderer verweile. Du befindest dich auf freiherrlichem Gebiet derer von Beverförde.“

Der Auftraggeber für Johann Conrad Schlaun ist Friedrich Christian von Beverförde (1702 – 1768), der interessanteste Bewohner und Besitzer des Schlosses. 1702 wird er geboren und ist schon mit vier Jahren Waise. Er wächst auf Schloss Nordkirchen bei seinen Verwandten, den von Plettenbergs auf. Mit 18 Jahren nimmt er seine Wohnung auf Oberwerries. Er hat sogar eine Rolle in der hohen Politik der Barockzeit gespielt, als er 1733 in einem Duell den engsten Vertrauten seines Dienstherrn, des Kurfürsten von Köln, ermordet. Friedrich Christian ist schon in jungen Jahren sehr arrogant. Er spielt den Bauern und Adeligen makabre Streiche, die an den tollen Bomberg erinnern. Deshalb heißt er hier in der Gegend nur „der tolle Werries“. Weil Friedrich Christian keine eigenen Kinder hat, adoptiert er schließlich den Sohn seines Vetters, der dann auch Schloss Oberwerries und die Ländereien erbt, als der tolle Werries 1768 stirbt. Beerdigt wird er in der St. Lambertus Kirche in Dolberg.

Nicht lange nach seinem Tod zieht sein Erbe aus Werries weg. Seitdem ist das Schloss unbewohnt. Trotzdem hat es lange gehalten, nämlich bis 1922, als es auf Abbruch verkauft werden soll. Ein Sturm der Entrüstung geht durch die Einwohnerschaft von Hamm und Umgebung. Schloss Oberwerries ist ein beliebtes Ausflugsziel, in Zeiten, als man Ausflüge zu Fuß oder mit dem Rad unternimmt. Romantisch verfallen liegt es da, niemand will das Schloss wirklich missen. Schließlich erreicht der Landeskonservator nach einem Gespräch mit dem Besitzer, dass dieser erst mal alles so belässt und mit Unterstützung des Landes wenigstens das Dach repariert.

1925 findet hier die erste Freilichtaufführung der Theatergemeinschaft „Westfälische Heimatspiele“ statt, die von den Brüdern Funke aus Heessen gegründet wurden. Aber schon 1928 zieht man in den Heessener Wald zu der Stelle, wo sich noch heute die Waldbühne Heessen befindet.

Viele Jahre überlegen nun Heimatfreunde, was mit der Burg geschehen soll. In dem Seitenflügel entsteht eine kleine Jugendherberge. Ab 1933 richtet der Reichsarbeitsdienst ein Lager ein, als er die Aufgabe erhält, einen Lippeabschnitt zu begradigen.

1942 erhält der Eigentümer des Schlosses unter der Androhung der Zwangsenteignung die Aufforderung, das Schloss sofort zu sanieren. Er verkauft den ganzen Besitz an die „Reichswerke Hermann Göring“, vorher und nachher als Zeche Sachsen bekannt. Das Schloss selbst mit einigen Wiesen und Gärten verkaufen diese jedoch kurz drauf für einen lächerlich geringen Preis an die Stadt Hamm.

1951 hat der Berufsschuldirektor Joseph Tippkötter die Idee, die verfallene Burg als Berufsschullandheim bewohnbar zu machen. Sechs Jahre werken Berufsschüler und Lehrer mit finanzieller Unterstützung durch Spenden der Bürger Hamms daran.

Ebenfalls 1951 mietet der Westfälische Turnerbund den Marstall als „Turnerburg“ für 75 Jahre. Im Laufe der Jahre entsteht hier die Geschäftsstelle des Turnerbundes, eine neue Dreifachturnhalle, und im Moment wird wieder gebaut.

1972 beginnt die Stadt Hamm unter Leitung des Stadtbaurats Karl Otto Leidinger mit den Umbau- und Restaurierungsarbeiten zur „Guten Stube“ der Stadt. Mit viel Liebe zu dem Haus und viel Sachverstand wird dieses wirklich wertvolle Gebäude der Stadt Hamm erhalten. Der Gewölbekeller wird als gemütlicher Gemeinschaftsraum umgestaltet. Zuvor müssen zwei Backöfen entfernt werden, der Tresen ist jedoch der Form der Backöfen nachempfunden. Im Erdgeschoss des Pavillonturmes entsteht ein größerer, sehr lichter Raum, der zusammen mit dem renovierten Kaminzimmer sehr gut für repräsentative Empfänge der Stadt Hamm und andere Festlichkeiten geeignet ist. Im Obergeschoss des Schlosses entstehen Gästezimmer, sodass das Schloss auch für Tagungen und Freizeitaufenthalte zur Verfügung steht.

Der tolle Werries

Rita Kreienfeld
Der tolle Werries
Der tolle Werries

Schloss Oberwerries, die „gute Stube“ der Stadt Hamm, ist ein besonders gelungenes Beispiel für Renovierung und Wiederherstellung eines Barockschlosses in unserer Gegend. Dafür muss man sich bei der Stadt Hamm bedanken, die zwar spät, aber nicht zu spät, den historischen und künstlerischen Wert des Schlosses erkannt hat und den Nachfahren dadurch eine Ahnung vom Leben und Treiben der adeligen Herren unserer Gegend vermitteln kann. Das ist in unserer Stadt beileibe nicht selbstverständlich, wenn man bedenkt, wie viel an historischer Bausubstanz nicht durch Kriegseinwirkung, aber durch Ignoranz und Nichtwissen bis in die neunziger Jahre zerstört worden ist und auch noch weiterhin darauf wartet zerstört zu werden. Als Beispiel sei hier nur eins der ältesten profanen Gebäude Westfalens genannt, das auf Heessener Gebiet steht und demnächst von allein zusammenfällt, die Schlossmühle des Schlosses Heessen aus dem Jahre 1546.

Es ist gar nicht so schwer, sich das Leben derer von Beverförde auf Oberwerries oder derer von Boeselager auf Heessen vorzustellen, gibt es doch eine gute Überlieferung durch Berichte, Rechnungen, Urkunden, Erzählungen, Gemälde und vieles mehr. Wesentlich schwieriger ist es da schon, sich das Leben des einfachen Volkes vorzustellen, aus dem wir ja vermutlich fast alle stammen. Aber so wie wir uns heute gern über die Katastrophen der Windsors aufregen, die Kalamitäten, in die der Prinz von Hannover gerät, hämisch belächeln, den Adel überhaupt außerordentlich interessant finden, so stehen wir staunend vor den Resten adeliger Kultur aus längst vergangenen Zeiten. Wir besichtigen Schlösser und Burgen, Opernhäuser und Kirchen, wir wundern uns über die Prachtentfaltung der barocken adeligen Herren und ahnen vielleicht dabei, wie schwer es unsere Vorfahren gehabt haben, aus Unterdrückung und Armut unsere bürgerliche demokratische Gesellschaft hervorzubringen.

Ein ganz besonders ergiebiger Typ für Klatschblätter des 18. Jahrhunderts wäre der Schlossherr von Oberwerries Friedrich Christian von Beverförde gewesen. Im Jahre 1702 wird er auf Schloss Oberwerries geboren, den Namen erhält er nach seinem Taufpaten, dem Bruder der Großmutter, Friedrich Christian von Plettenberg, Bischof von Münster. Mit einem goldenen Löffel im Mund, in dem gerade von seiner Großmutter Maria Ida von Plettenberg neu erbauten Schloss geboren, sollte einer glanzvollen Karriere nichts im Wege stehen. Sein Vater Bernard Engelbert Christian stirbt 1705, seine Mutter Anna Theodora von Neuhoff zu Wenge stirbt nur ein Jahr später. Sie entstammt dem westfälischen Geschlecht derer von Neuhoff, aus dem auch der spätere König von Korsika, Theodor von Neuhoff entstammte. Friedrich Christian ist mit vier Jahren Waise, er wächst bei seinen Verwandten, den Plettenbergs auf Nordkirchen auf. Seine Großmutter hat ihn trotz seines jugendlichen Alters in das Lehnsregister der Güter Ober- und Niederwerries eintragen lassen. Möglicherweise wird er sehr verwöhnt, was vermutlich zu seinem sehr selbstbewussten, auch arroganten Benehmen in späteren Jahren führt. Nie wird er die Stellung im Leben einnehmen können, die er sich eigentlich vorgestellt hatte.

Zunächst greifen die guten Beziehungen seiner Verwandten. Friedrich Christian wird mit 17 Jahren Kammerherr des Fürstbischofs von Münster Clemens August von Bayern, dem späteren Kurfürsten von Köln und mächtigen Herrn des Rheinlandes und Westfalens. Im Dienste dieses wichtigen Menschen steht auch als Premierminister sein Verwandter Ferdinand von Plettenberg. Einer großartigen Karriere dürfte also nichts mehr im Wege stehen. Aber Friedrich Christian steht sich selbst im Wege. Er möchte gern ein Drostenamt übernehmen, das auch den Vorteil mit sich bringt, jede Menge Geld in die Kasse zu spülen. Höchste Beamtenstellen in der Verwaltung der Kreise und Städte müssen in Westfalen durch Mitglieder des einheimischen Adels besetzt werden. Der Adel verfolgt während des Absolutismus damit den Zweck, mindestens die Exekutive auch weiterhin zu beaufsichtigen und die hohen Einkünfte aus diesen Amtsstellen zu behalten. Clemens August verspricht dem jungen Beverförde das nächste freiwerdende Drostenamt. Er bekommt es jedoch nicht, weil er sich nicht benehmen kann.

Im Jahre 1723 lädt Friedrich Christian eine adelige Familie vom Niederrhein mit ihrer heiratsfähigen Tochter nach Oberwerries ein. Nachdem sie aufs Angenehmste bewirtet worden sind, sitzt eines Tages der Schlossherr mit seinen Gästen im Pavillonturm am Kaffeetisch. Plötzlich kommt durch das geöffnete Fenster der Kopf einer frisch geschlachteten Ziege geflogen und fällt der jungen Heiratskandidatin direkt vor die Füße. Das ist ja wohl eindeutig genug und die Familie ergreift unter dem johlenden Gelächter des Friedrich Christian die Flucht.

Als „Toller Werries“ ist er den Landleuten fortan ein Begriff. Ein anderer Streich betrifft den ehemaligen Bauernsohn Heinrich Möllenbrink. Dieser hat in jungen Jahren bei dem Freiherrn auf Oberwerries um Erlaubnis nachsuchen müssen, ob er sich als Sohn eines eigenhörigen Bauern auf Wanderschaft begeben dürfe und sein Glück woanders suchen könne. Das wird ihm gnädigerweise gewährt. Der junge Möllenbrink zieht nach Holland und heiratet dort eine reiche Kaufmannsfrau. Als er nun zu Geld gekommen ist, will er seinem ehemaligen Herrn offenbar zeigen, wie gut es ihm geht. Er besucht seine Verwandten in Heessen mit einer vierspännigen Kutsche einschließlich Stander mit dem Kaufmannswappen. Das ist dem hochnäsigen Beverförde zuviel. Als die Ehefrau des Möllenbrink sich in ihrem Garten ergeht, wird sie von den Dienern des Beverförde überfallen, sie binden ihr die Röcke über dem Kopf zusammen, so dass sie hilflos im Garten umherirrt, bis ihr Mann sie aus der Zwangslage befreit. Nach diesem Ereignis sind die Möllenbrinks nie wieder nach Heessen gekommen. Zeigt sich hier schon „Der Riss im Himmel“, der Aufstieg des immer selbstbewusster werdenden Bürgertums gegenüber einem immer dekadenter werdenden Adel?

Erst mit 41 Jahren heiratet der tolle Werries Anna Angela Antonette von Ascheberg zu Venne. Die beiden wohnen im Beverförde Hof in Münster, haben sich aber schon nach sieben Monaten Ehe nichts mehr zu sagen und führen getrennte Haushalte.

Im Dienste des mächtigen Fürstbischofs hat Friedrich Christian sicher dessen Jagdleidenschaft kennen gelernt. Clemens August ist leidenschaftlicher Jäger. Eigens für die Falkenjagd lässt er sich das Schlösschen Falkenlust bei Brühl bauen, für Parforcejagden wird das wunderbare Jagdschloss Clemenswerth im Emsland erbaut. Kein anderer Herr der Barockzeit ist so besessen von der Jagd wie Clemens August. Die Falkenjagd ist dabei derart kostspielig, dass sie nach dem Tod des Kurfürsten nie mehr von irgendeinem Fürsten ausgeübt wird.

Zum Jagen braucht man Pferde, die besonders gut zugeritten sein müssen. Nach seinem Sturz verlegt Friedrich Christian sich auf die Pferdezucht. Man kann sich im schönen Münsterland, in den weiten Wiesen an der Lippe sehr gut vorstellen, dass dort eine Pferdezucht erfolgreich sein kann. Der berühmte Baumeister des westfälischen Adels Johann Conrad Schlaun entwirft für den Herrn auf Oberwerries einen Marstall und einen Hundezwinger. Heute dienen beide Gebäude dem westfälischen Turnerbund als Begegnungsstätte, die berühmte „Turnerburg“. Wo heute die Gäste des westfälischen Turnerbundes ihre geselligen Zusammenkünfte pflegen, wo gelehrt und gelernt wird, da stehen zur Zeit des Barock, also vor 250 Jahren edle Rassepferde. Wirklich sehenswert ist die Kappendecke im Marstall, wo zwischen den Eichenbalken kleine Rundbögen aus roten Ziegelsteinen gemauert worden sind. Friedrich Christian von Beverförde scheint eine Menge von Pferden zu verstehen, er hat es schließlich beim Kurfürsten von Köln zum Obervizestallmeister gebracht. In seinem neuen Pferdestall stehen bis zu 30 reinrassige Pferde, die hier gezüchtet, zugeritten und verkauft werden. Im Jahre 1744 erscheint im „Duisburger Intelligenz-Zettel“, dem Anzeigenblatt der Grafschaft Mark folgende Anzeige:

Es hat der Freiherr von Beverförde auf seinem adelichen Hause Werries eine kleine Stunde von der Stadt Hamm belegen 20 Stück extra schöne Reitpferde von allerhand raren Färben zu verkaufen. Die Herren Connaisseurs und Liebhabere welche darzu Lust tragen können sich allda addressiren oder jemanden zu deren Besichtig- und Einkaufung dorthin abschicken.“

Es scheint, als habe sich der Freiherr von Beverförde mangels anderer Einkünfte auf die Pferdezucht verlegt, denn drei Jahre später erscheint in demselben Blatt folgende Annonce:

Aufm Hochadelichen Hause Werries negst an der Lippe im Münstrischen eine halbe Stunde von der Stadt Hamm gelegen sollen den 2. May 1747. über die fünff und zwantzig zugerittene extra schöne Pferde und einige Stuthen wie auch zwey jährige Füllen von allerhand Couleuren für einen billigen Preiß verkauffet werden; wer dazu Lust hat der kann sich alsdan einfinden.“

Ein adeliger Herr der Barockzeit pflegt natürlich die Jagd. Das ist ein Vorrecht des Adels. Einfaches Volk darf nicht jagen. Wer es dennoch tut, wird als „Wilderer“ schwer bestraft. Selbst wenn das Rehwild oder die Hasen das Korn der Felder fressen, die Bauern dürfen keine Schlingen legen, um die Hasen zu fangen, sie dürfen nicht einmal während einer der vielen Hungersnöte sich etwas für den Kochtopf jagen. Sie haben es trotzdem gemacht, manchmal über Generationen hinweg, immer dieselben Familien an immer denselben Stellen.

Der Herr von Beverförde hat einen Förster, der im Torhaus wohnt und die Jagd organisiert. Er besitzt natürlich auch eine Meute Jagdhunde, die in einem wunderschönen von Schlaun erbauten Zwinger gehalten werden.

Es ist vom Hochadelichen Hause Werries beym Hamm eine Jagt-Hündinne mit einem stumpfen Schwantz gelbe Flecken auf den Rücken und auf der Lincken Seite ein W geschoren verlohren wer zu selbige Anweisung geben kann der soll ein gutes Trinckgeld haben.“

!768 stirbt Freiherr Friedrich Christian von Beverförde, nachdem er zuvor seinen Vetter und Lebensretter Carl Friedrich von Elverfeldt mit der Verwaltung seines gesamten Vermögens beauftragt hat. Auf eigenen Wunsch wird er in der St. Lambertus Kirche in Dolberg beigesetzt.

Im Jahre 1781 stirbt auch der Lebensretter Carl Friedrich von Elverfeldt auf Oberwerries. Sein Sohn Friedrich Clemens erwirbt 1785 aus einer Zwangsversteigerung die Loburg in Ostbevern im Kreis Warendorf. Dorthin ziehen die Elverfeldts um, aber tragen auch weiterhin bis heute den Namen Beverförde-Werries und das Biberwappen der Beverförde. Schloss Oberwerries bleibt verwaist zurück. Einzig der Förster lebt auch weiterhin immer im Torhaus des Schlosses.

Die Loburg brennt durch Blitzschlag 1899 vollständig ab. Die Eheleute Karl Max von Elverfeldt genannt Beverförde-Werries und Adelheid geborene von Boeselager bauen das Schloss nach den alten Plänen Schlauns wieder auf. 1951 vermieten sie das Schloss an den Bischof von Münster zur Einrichtung des Collegium Johanneum, eines Gymnasiums und Internates. Seit 1984 lebt Freifrau Ida von Beverförde im renovierten Torhaus des Hauses Byink in Davensberg. Haus Byink ist durch Vererbung 1698 an Christoph Engelbert von Beverförde gekommen.